Rennbericht zum Mauerweglauf 2025 – oder: Wer hat eigentlich den Wecker erfunden?

Veröffentlicht am 17. August 2025 um 21:53

„Auf was habe ich mich da nur eingelassen…“
Das waren meine ersten – und ehrlich gesagt sehr berechtigten – Gedanken, als der Wecker um 3:30 Uhr klingelte. Mitten in der Nacht. Frei nach dem Motto: Wer um diese Uhrzeit wach ist, hat entweder einen Flug, Schichtdienst … oder ist komplett verrückt.
Erstmal also das Wichtigste: KAFFEE!!! ☕ Ohne Diskussion.

 

Etwas weniger zombiehaft, aber immer noch eindeutig übermüdet, machten wir uns – mein Supporter Vanessa und ich – auf den Weg zum Start. Dort traf ich auch Stefan, meine Laufbegleitung bis Teltow. Ab da sollte dann Vanessa übernehmen. Aber eins nach dem anderen.

6:00 Uhr – Startschuss.
Erst eine Runde durchs Stadion, dann raus auf die Straße. Und plötzlich: Menschen. Viele Menschen. Viel zu viele Menschen. Und sie laufen… langsam. Sehr langsam. Ich hasse es, Leuten hinterherzulaufen – vor allem, wenn es sich anfühlt wie ein Sonntagsausflug. Aber dann fiel mir ein: Moment mal, das ist kein 10-km-Lauf. Also tief durchatmen.

Zum Glück hatte ich Stefan an meiner Seite, der mich zuverlässig in ein vernünftiges Tempo zwischen 6:00 und 6:30 min/km einbremste. Dazu kamen regelmäßige Stopps an Ampeln – denn: Bei Rot laufen = Disqualifikation. Großstadt-Ultra vom Feinsten.
So vergingen die ersten 2–3 Stunden erstaunlich entspannt. Kilometer für Kilometer wurde brav abgespult, von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt. Überall nette Volunteers, Snacks, Getränke – ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle! ❤️
Das Wetter war ebenfalls voll auf meiner Seite, also alles bestens. Bis Teltow lief es einfach rund.

In Teltow traf ich dann auf Gary (Stefans Supporter) und natürlich auf meinen Fuchs – Vanessa. Kurze Verpflegungspause, dann ging es weiter Richtung Potsdam. Das Tempo lief weiterhin stabil um die 6:30 min/km, und ich fühlte mich erstaunlich gut. Sogar besser als bei meinem damaligen 90-km-Lauf – wobei es damals auch deutlich heißer war. Kleine Details, große Wirkung.

In Potsdam schlichen sich dann die ersten Gehpausen nach den Verpflegungspunkten ein. Aber alles noch im grünen Bereich. Das nächste große Ziel: Schloss Sacrow, wo meine Eltern und ein paar Freunde warteten. Motivation pur!
Hier gönnte ich mir eine etwas längere Pause – inklusive einer herrlichen Flasche Malzbier (Nektar der Götter). Nach etwa 20 Minuten ging es weiter Richtung Spandau.

Und dort dann ein echtes Highlight: Einige Teamkameraden vom Dreizack Spandau standen plötzlich an der Strecke und feuerten mich an. Mega! Damit rechnet man einfach nicht – und es pusht ungemein. Danke euch! 🙌

Gegen 20:45 Uhr wurde es langsam dunkel. Die bekannte Strecke war leider wegen Waldschäden gesperrt – also hieß es: Dämmerung, unbekannte Wege, Abenteuer-Modus. Die Streckenführung zum Verpflegungspunkt 18… sagen wir mal diplomatisch: optimierungsfähig.
Hier ging es mental bergab. Viele Gehpausen, Fluchen inklusive. Gedanken wie:
„Wo kann man hier eigentlich am besten aussteigen?“
„Welche Öffi bringt mich möglichst bequem weg?“
„Wenn ich jetzt nur noch gehe – wann wäre ich dann im Ziel?“
Nicht unbedingt die motivierendsten Gedankenspiele.

Zum Glück hatte ich meine Begleitung dabei. Mit Engelszunge (und vermutlich sehr viel Geduld) überzeugte sie mich weiterzumachen. Im Dunkeln macht Laufen allerdings nur noch halb so viel Spaß – und die Erschöpfung erledigt den Rest. Also: Denken nur noch von VP zu VP, dazwischen längere Gehpausen. Die 20-Stunden-Marke hatte ich innerlich längst verabschiedet.

Die Strecke zog sich. Und zog sich. Und zog sich noch mehr. Wegpunkte, die im Kopf eigentlich schon längst da sein sollten, wollten einfach nicht auftauchen. Das nervt. Richtig.
Aber: Die Kilometer wurden weniger. Und irgendwann schlich sich dieser Gedanke ein: Das schaffe ich.

Nach 22 Stunden, gegen 4:00 Uhr morgens, kam ich schließlich ins Ziel.
Überglücklich. Erschöpft. Stolz.
Ich bin ein Ultraläufer! 🎉

Auch wenn ich ziemlich sicher sagen kann, dass ich das nicht nochmal machen werde – es war eine Erfahrung, die bleibt. Danach hieß es nur noch: so schnell wie möglich mit den Öffis nach Hause, Blessuren versorgen (Blasen, wunde Stellen – die üblichen Souvenirs) und ab ins Bett.

Eine Woche später kann ich sagen:
Der Schmerz vergeht – der Stolz bleibt.
Trotzdem: So schnell sieht mich so ein Ding nicht wieder.

Ein riesiges Dankeschön an:

  • Vanessa, meinen Supporter (danke fürs Aushalten meines Gejammers und meiner Launen 🙈)

  • Stefan für die Begleitung auf den ersten 60 km (ich hoffe, du hast den WK auch gut überstanden)

  • alle Helfer:innen und Unterstützer an der Strecke

Tolle Veranstaltung – und absolut empfehlenswert, egal auf welcher Distanz. 🏃‍♂️💪


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